Einstellungstest Rechtspfleger: Alles Wissenswerte im Detail

Der Beruf des Rechtspflegers klingt unscheinbarer als er eigentlich ist. Viele vermuten dahinter vielleicht einen klassischen Ausbildungsberuf, doch das ist ein Irrtum. Rechtspfleger haben ein Studium absolviert und haben sich in aller Regel zum Beamten im gehobenen Dienst ausbilden lassen. Was sich im Detail hinter dem Studium, dem Beruf und vor allem dem Einstellungstest Rechtspfleger verbirgt, soll dieser Beitrag klären.

Was macht ein Rechtspfleger?

Rechtspfleger arbeiten in Justizverwaltungen, bei Staatsanwaltschaften und bei Gericht. Auch an Bildungseinrichtungen finden sie Beschäftigung. Die grundlegende Aufgabe eines Rechtspflegers besteht darin, gerichtliche Entscheidungen in bestimmten Bereichen der Rechtsprechung zu treffen. Meist geht es dabei um Bereiche aus der sogenannten streitigen und freiwilligen Gerichtsbarkeit wie beispielsweise dem Registerrecht, dem Grundbuchrecht, dem Vormundschaftsrecht, dem Betreuungsrecht und dem Nachlassgericht.

Rechtspfleger agieren selbstständig in diesen ausgewählten, bestimmten Rechtsgebieten. So können Sie diese rechtlichen Vorgänge selbstständig abwickeln:

  • Anordnung von Betreuungen und Vormundschaften sowie deren Kontrolle
  • Aufnahme von Klageerwiderungen und Klageanträgen
  • Bearbeitung von Vollstreckungs- und Mahnbescheiden
  • Eintragung / Löschung von Grundschulden, Hypotheken, Erbbaurechten sowie Wege- und Wohnrechten
  • Einzug von Geldstrafen
  • Eröffnung von Testamenten, Erteilung von Erbscheinen
  • Fällung von Entscheidungen zu Pfändungen
  • Festsetzung von Verfahrenskosten
  • Ladung zum Haftantritt
  • Leitung von Gerichtsterminen und Gläubigermeetings

Einstellungstest RechtspflegerWie sieht die Ausbildung zum Rechtspfleger aus?

Wer sich für den Beruf des Rechtspflegers interessiert, der muss ein dreijähriges Studium absolvieren, was im Beamtenjargon dann als Vorbereitungsdienst deklariert wird. Die Inhalte sind auf Bundeslandebene geregelt. Der klassische Studiengang heißt Verwaltungsmanagement und Public Management. Dabei stehen in der Theorie diese Themen auf dem Stundenplan:

  • Familienrecht
  • Gerichtsverfassungsrecht, Rechtspflegerrecht
  • Gesellschafts- und Handelsrecht, Registerverfahren
  • Grundbuchrecht, Grundstücksrecht
  • Insolvenzrecht, Vollstreckungsrecht
  • Nachlassrecht
  • Organisationskunde, Verwaltungskunde
  • Strafrecht, Strafvollstreckungsrecht, Strafprozessrecht
  • Verfassungsrecht, Verwaltungsrecht
  • Zivilprozessrecht

Diese theoretischen Inhalte werden während der praktischen Ausbildungsphasen eingeübt. Nach einer entsprechenden Praxisphase haben Rechtspfleger grundsätzlich auch die Möglichkeit, in den nächsthöheren Dienst aufzusteigen. Auch ein weiterführendes, fachspezifisches Studium ist als berufliche Weiterqualifikation denkbar.

Das Auswahlverfahren vor dem Einstellungstest Rechtspfleger

Wer Rechtspfleger werden möchte, muss über die Hochschulreife oder die Fachhochschulreife verfügen. Da die Bewerberzahl hoch ist und die Stellen nur rar, werden umfangreiche Bewertungskriterien angelegt, um geeignete Bewerber zu finden. Neben dem Blick auf die Schulnoten in Deutsch, Politik und Wirtschaft soll in der mündlichen Prüfung festgestellt werden, ob der Bewerber in punkto Sozialkompetenz für den Beruf des Rechtspflegers gemacht ist. Daneben muss er sowohl Organisations- als auch Kommunikationskompetenz mitbringen. Im schriftlichen Test stehen sowohl die Deutschkenntnisse im Fokus als auch die Allgemeinbildung des Bewerbers.

Wer sitzt beim Einstellungstest Rechtspfleger gegenüber?

Wer mit dem Gedanken spielt, eine Ausbildung zum Rechtspfleger zu absolvieren, wird sich in der Regel an einem Oberlandesgericht, kurz OLG, bewerben. Dahinter verbirgt sich die höchste Gerichtsbarkeit des jeweiligen Bundeslandes. Ein OLG ist im Zivil- und Strafrecht die zuständige Stelle, aber auch bei Ordnungswidrigkeiten. Über die Inhalte des Einstellungstest Rechtspfleger darf jedes OLG weitestgehend selbst entscheiden.

Diese Prüfungsvarianten sind jedoch typisch:

  • Das Vorstellungsgespräch. Auch wenn es unspektakulär klingt, ist das Vorstellungsgespräch für angehende Rechtspfleger ganz schön nervenaufreibend. Ziel ist dabei nämlich nicht einfach nur den Bewerber „Mensch“ kennenzulernen, sondern ihn wahrlich zu prüfen. Stressfragen, die provozieren und aus der Ruhe bringen sollen, sind dabei ebenso üblich wie psychologisch ausgearbeitete Fragen zur allgemeinen psychischen Verfassung. Auch die persönliche Einstellung zu Gesetzen und Rechtsprechungen steht hier auf dem Plan. Daneben sollten Sie sich in jedem Fall auf die Klassiker vorbereiten: Die Fragen nach Ihrer Motivation sowie Ihren Stärken und Schwächen wird bestimmt kommen.
  • Die Prüfung des Sprachverständnisses. Dieser Test kann ganz unterschiedlich aussehen. Prüflinge berichten sowohl davon, einen Zeitungsartikel zusammenfassen zu müssen und Fragen dazu gestellt bekommen zu haben, was noch vergleichsweise simpel ist. Die schwierigere Form kann sein, Urteile und Gesetzesvorlagen vorgelegt zu bekommen – und in sehr knapp bemessener Zeit Aussagen anhand der Vorlagen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Dabei wird nicht nur Textverständnis überprüft, sondern auch logisches Denkvermögen und der Umgang mit Stress bzw. Zeitdruck. Auch ist es möglich, dass Sie ein Aufsatzthema bekommen, das Sie anschließend ausarbeiten müssen. Dabei ist es besonders wichtig, eine stimmige Gesamtstruktur in den Text zu bringen. Die Argumentationslinie muss klar erkennbar sein.
  • Der Mathematiktest. Der Mathetest ist noch vergleichsweise einfach, denn es werden hauptsächlich Prozent- und Zinsrechnungen sowie Textaufgaben anstehen und die Aufgaben, bei denen der Dreisatz angewendet werden muss. Darüber hinaus wird es Schätzaufgaben geben.
  • Der Logiktest. Wer nun an die berühmten Logicals in Rätselheften denkt, der kommt der Sache schon sehr nahe und wird schnell zu dem Schluss kommen: Beim Logiktest wird’s knifflig. Das ist die eine Komponente, bei der geprüft werden soll, wie gut Ihr Konzentrationsvermögen und Ihr Durchhaltevermögen ausgeprägt sind. Darüber hinaus wird bei der Vervollständigung von Zahlen- und Buchstabenreihen das logische Denkvermögen überprüft, das auch in der Arbeit mit Gesetzen und Paragrafen wichtig ist.
  • Gruppendiskussion oder Rollenspiel. So ähnlich sie sich scheinen mögen, so unterschiedlich sind diese beiden Testvarianten auch. Bei der Gruppendiskussion kommt es darauf an, ein Thema zu bearbeiten, Argumente dafür und dagegen zu finden und letztlich in der eigenen Argumentation stimmig und authentisch zu bleiben. Spannend ist für die Prüfer daneben auch, wie Sie sich in der Gruppe verhalten. Grundsätzlich kommt es dabei mehr auf den Gehalt Ihrer Worte an, als Ihre prominente oder exponierte Stellung. Beim Rollenspiel hingegen wird nicht nur auf Ihre Artikulation und Ihre Präsentationsweise gekuckt, sondern auch darauf, wie gut Sie vorgegebene Bedingungen umsetzen können, denn ein Rollenspiel beginnt meist mit der Zuteilung der Rollen – und Ihre Test-Rolle kann noch so unterschiedlich zu Ihrer eigentlichen Person sein; dennoch müssen Sie sie spielen.
  • Der Allgemeinwissenstest. Sicherlich sind Politik, Geschichte und Wirtschaft die Themen, die im Allgemeinwissenstest regelmäßig auf dem Plan stehen, doch auch andere Themen wie Erdkunde, Kunst- und Kulturgeschichte oder Technik könnten grundsätzlich gefragt werden, denn es geht darum herauszufinden, welche Themen Sie inhaltlich belegen können und wie sehr Sie sich mit dem aktuellen Tagesgeschehen auseinandersetzen. Eine gezielte Vorbereitung ist immer schwer. Sinnvoller ist es, sich regelmäßig mit den Nachrichten der Welt auseinanderzusetzen, um kontinuierlich das Wissen zu vertiefen und zu festigen.