Einstellungstest Lehramt – Was entscheidend ist!

Wer von „Beamten“ spricht, denkt nicht selten an Lehrer. Lehrer, die an staatlichen Regelschulen unterrichten, haben meist einen ähnlichen Ausbildungsweg: Sie absolvieren ein Studium, dass sie als Pädagoge der jeweiligen Schulart im jeweiligen Bundesland qualifiziert und haben darüber noch Kurse in den von ihnen gewählten Schulfächern, die sie später unterrichten werden. Bekannt ist einigen, dass die Abschlussnote nach Studium und Referendariat über die Einstellung eines Lehrers entscheidet. Doch gibt es für die Pädagogen auch einen klassischen Einstellungstest Lehramt? Diese und einige weitere Fragen rund um die Lehramtstätigkeit soll in diesem Beitrag beantwortet werden.

Für Lehrer gibt es Eignungstests

… doch diese sind nicht grundsätzlich verpflichtend. Ursprünglich jedoch wurden sie konzipiert als Berufseignungstest für das Lehramtsstudium. Das heißt auch, dass er vielen anderen Berufseignungstests ähnelt, die herausfinden sollen, ob der/die Bewerber/-in für den Job „gemacht“ ist. Doch was muss ein Lehrer heutzutage eigentlich alles mitbringen, um langfristig vor einer Klasse bestehen zu können und dieser auch noch wertige Inhalte vermitteln kann?

In den Medien konnte dazu ein harscher Streit verfolgt werden: Gehen die Top-Leute lieber ins Management, statt Lehrer/-in zu werden? Eine Frage, die nicht eindeutig zu beantworten ist, aber doch zum Nachdenken anregt, denn wer bildet denn dann eigentlich diejenigen aus, die später Top-Leute werden soll?

Ein Praxisbeispiel: Die Universität Passau hat ein Auswahlverfahren für Lehramtsstudenten

Der Pädagoge Norbert Seibert hat das Auswahlverfahren konzipiert – und ist der Süddeutschen Zeitung dazu im Rahmen eines Interviews Rede und Antwort gestanden. Demnach seien Neugierde, Freude am Unterricht und ein ehrliches Interesse an den Schülern Grundvoraussetzung für einen angehenden Lehrer. Auch muss der Pädagoge fähig sein, mit Unsicherheiten umzugehen und mit einer Reihe unterschiedlicher Menschentypen klarkommen. Dabei geht es hauptsächlich um unterschiedliche Leistungsniveaus, denn in Schulen gibt es lernschwache und sogar hochbegabte Kandidaten. Wichtige Kernkompetenzen seien darüber hinaus Teamfähigkeit, Selbstbewusstsein, Selbstdarstellungsfähigkeit und Organisationsvermögen.

Einstellungstest LehramtWie attraktiv ist der Job als Lehrer? Eine Gymnasiallehrerin im Interview

War es schon immer Ihr Traumberuf, Lehrerin zu werden?

Lehrerin: Ich muss zugeben, dass ich eine ganze Weile nicht wusste, was ich später werden will und viele Studienfächer einfach mal angefangen habe. Damals gab es nur Eignungstests, die von Berufsinformationszentren oder der Berufsberatung durchgeführt wurden, und damals kam immer nur heraus: Einen Job, in dem ich sprechen kann und die Menschen mir zuhören, sollte ich ergreifen. Doch Politik war nun mal nichts für mich.

War das ein erstes Indiz dafür, dass Sie gut in punkto Selbstdarstellung sind?

Lehrerin: In gewisser Weise ja. Das war letztlich auch mein Beweggrund, mich für ein Lehramtsstudium zu entscheiden. Ich wusste, dass ich nicht der Typ Mensch bin, der sich selbst ein berufliches Leben erschafft, wie das viele meiner Studienkolleginnen taten, in dem sie sich über Praktika und Werkstudententätigkeiten qualifizierten. Ich brauchte die vorgegebene Struktur als Anleitung, um mir selbst später eine Struktur erschaffen zu können.

Gutes Stichwort. Wie wichtig ist Struktur eigentlich für Lehrer?

Lehrerin: Langfristig überlebenswichtig, denn wer Struktur hat, kann sich langfristig auf die menschlichen Herausforderungen im Schulalltag konzentrieren, denn Struktur ermöglicht es, Inhalte vorrätig zu haben.

Das müssen Sie noch einmal an einem Beispiel deutlich machen.

Lehrerin: Aber gerne. Ich verrate Ihnen, wie mein Arbeitszimmer aussieht: Ich habe für jedes meiner Fächer einen Ordner – und das für jede Klassenstufe. Darin sind die Inhalte, die ich den Schülern und Schülerinnen vermitteln möchte. Das heißt, dass darin heute fertige Schulstunden liegen, auf die ich immer strukturell zurückgreifen kann und die ich ebenso anpassen und erneuern kann. Das ist Struktur, die dabei hilft, mich um Schüler und vor allem auch deren Eltern zu kümmern, die einen speziellen Förderbedarf haben, oder die einfach menschlich schwierig sind.

Das heißt Ihre Arbeit verringert sich?

Lehrerin: Die Arbeit, die ich am Anfang meiner Berufstätigkeit investieren musste, um dieses Set an Lehrinhalten zu haben, verringert sich nun, das ist richtig. Doch ich halte ja nie exakt dieselben Schulstunden. Durch neue pädagogische Erkenntnisse oder auch aktuelle Anlässe variieren die Inhalte. Das bringt letztlich auch den Spaß im Job, den ich brauche, um gut zu sein. Zudem schaffe ich mir dadurch Freiräume, um mich um die Menschen zu kümmern. Und natürlich brauche ich auch die Zeit, um zu korrigieren.

Stichwort „gut sein“. Und was bedeutet „gut sein“ als Lehrerin?

Lehrerin: Spannende Frage. Wer als Lehrerin ein positives Feedback braucht, muss sich dies über gute Noten holen. Das unterscheidet den Job als Lehrerin voll und ganz von der freien Wirtschaft. Ganz klar heißt das: Ich verhandle keine Gehaltserhöhung, weil ich besonders effizient war, denn diese wirtschaftlichen Dinge sind (zumindest im Beamtenstatus) bereits im Vorfeld geregelt. Ich steige auch nicht auf, weil ich etwas Neues erfunden habe. Ich freue mich, wenn ich einen schweren Test konzipiere und meine Schüler gut sind.

Und warum denken Sie, dass viele Lehrer scheitern?

Lehrerin: Wenn ich jetzt arrogant wäre, würde ich sagen „weil sie es nicht so machen wie ich“, aber das wäre wohl wirklich sehr überheblich. In Ansätzen ist das jedoch durchaus richtig. Wer keine Struktur hat, wird sich verzetteln – eine mögliche Folge könnte Burnout sein. Wer sich als Karrieretyp definiert und auf Beförderungen oder finanzielle Prämien setzt, wird ebenso scheitern, denn Unzufriedenheit ist gerade bei Lehrern ein Motor dafür, dass sie sich umorientieren. Und das ist in vielen Fällen auch besser so.

Die „anderen“ Lehrer

Lehrer gibt es heute nicht nur an Grund-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien, sondern auch bei freien Bildungsträgern. Auch Lehrer an Berufsschulen haben einen anderen Werdegang hinter sich als Lehrer an den klassischen Schulen. Zunehmend häufiger werden heute auch Wissenschaftler engagiert, die zwar keinen Beamtenstatus erlangen, aber in ihrer Profession, beispielsweise als Biologe oder Biologin Biologieunterricht geben.

Für einige Interessierte ist das die Chance, auch ohne ein klassisches Lehramtsstudium unterrichtend tätig zu sein. Und das heißt auch: Wer beispielsweise Hotelfachfrau/-mann gelernt hat, könnte sich weiterbilden, um Berufsschullehrer für Hotellerie zu werden. Ebenso könnte ein Kfz-Mechatroniker seine Meister-Weiterbildung absolvieren, um anschließend mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation in der Berufsschule zu unterrichten.

Grundsätzlich gilt: Lehrer, die verbeamtet werden, haben meist eine klassische Laufbahn absolviert, d.h. sie haben ein Studium absolviert, ihr Referendariat gemeistert und eine Planstelle bekommen. Lehrer, die nicht der Verbeamtung Willen den Job ergreifen, sind im Übrigen nicht weniger gefragt, denn oft sind sie Meister ihrer Profession – und das spüren die Schüler/-innen dann auch.