Einstellungstest Umschulung: Ihr erster Wegweiser

Sie haben Ihre Ausbildung soeben abgeschlossen und schon keine Lust mehr auf den Job? Dann haben Sie wohl kaum eine andere Wahl, als sich nach einer neuen Ausbildungsstelle umzusehen oder als Ungelernter einen Job zu suchen, was sich allerdings negativ auf Ihrem Gehaltszettel auswirken wird. Sie wünschen sich, an einer Umschulung teilzunehmen? Dann müssen Sie eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, denn wer eine Umschulung macht, wird manchmal sogar gefördert. Einen Einstellungstest Umschulung gibt es indes nur selten. Einen ersten Wegweiser durch den Dschungel der Möglichkeiten, Gesetze und Regelungen soll dieser Beitrag sein.

Zunächst einmal sei an dieser Stelle mit dem negativen Bild der „Umschulung“ aufgeräumt. Umschulung heißt nicht, dass die Person keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt hat und deswegen irgendwo „verwahrt“ wird. Das ist nur die Ausnahme. In aller Regel werden Umschulungen sogar von Arbeitsagenturen, Jobcentern und Rentenversicherungen bezuschusst – um einen Karriereschritt herbeizuführen und neue, berufliche Optionen zu schaffen.

Bei Jobs, die am Arbeitsmarkt „out“ sind, sind die Chancen auf eine Förderung hoch

Die besten Chancen auf eine Genehmigung bzw. auf einen Zuschuss zur Umschulung hat, wer der zuständigen Behörde nachweisen kann,

  • dass der Beruf gar nicht mehr nachgefragt wird und es keine Beschäftigungsoption am Arbeitsmarkt gibt,
  • dass Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in Ihrem erlernten Beruf arbeiten können und,
  • dass der Beruf, in dem Sie Ihre Zweitausbildung machen möchten, auch wirklich nach Fachkräften sucht.

Tipps für den Gang zum Amt – der inoffizielle „Einstellungstest Umschulung“

Sie sind sich sicher, dass Sie eine Umschulung machen möchten oder aus diversen Umständen machen müssen, brauchen aber für die Übergangszeit die Unterstützung vom Amt? Dann sollte Sie dort gut vorbereitet auftauchen, denn sonst mahlen die bürokratischen Mühlen sehr, sehr langsam.

  1. Recherchieren Sie genau, was für eine Umschulung nötig ist. Halten Sie alle benötigten Unterlagen (Vordrucke gibt es in der Regel im Internet) ausgefüllt bereit.
  2. Dokumentieren Sie jede Form der Kommunikation mit Ämtern, Unternehmen etc. schriftlich – nicht nur beim Kampf um die Finanzierung, sondern auch später sollten Sie beispielsweise etwaige Bewerbungsversuche genau dokumentieren.
  3. Bringen Sie stichhaltige Argumente vor, die zeigen, dass Sie a) keine Chance mehr haben in Ihrem erlernten Beruf, dass Sie b) sehr gute Chancen in Ihrem „neuen“ Beruf hätten.
  4. Bleiben Sie sachlich, bestimmt, aber werden Sie nicht arrogant. Achten Sie darauf, Ihren Sachbearbeiter mit Argumenten, statt mir Wortgewalt und egoistischen Bekundungen zu überfallen.
  5. Denken Sie daran, dass Sie etwas vom Amt wollen. Entsprechend sollten Sie sich auch verhalten, ohne duckmäuserisch zu wirken.

Einstellungstest UmschulungFinanzierung via „Bildungsgutschein“

Konnten Sie den Sachbearbeiter beim zuständigen Amt nachhaltig davon überzeugen, dass Sie diese Umschulung machen wollen und auch sollten, wird Ihnen die Finanzierung zugesichert. Dies sollte in jedem Fall in schriftlicher Form passieren. Das Verrechnungsmodell ist dabei in den meisten Fällen der sogenannte Bildungsgutschein. Damit sollten Sie zumindest die Kosten für die Ausbildung, Fahrtkosten, Fahrten und Verpflegung bewilligt bekommen.

Steht die Finanzierung, ist es daran, einen geeigneten Bildungsträger zu finden, den Sie sicherlich bereits im Vorfeld ausfindig gemacht haben. Meist darf das Amt, das die Finanzmittel zur Verfügung stellt, hier mitsprechen. Im Zuge Ihrer Recherchen sollten Sie auch herausfinden, ob es sich um eine theoretische oder eine dual angelegte Umschulung handelt. Gibt es praktische Parts, müssten Sie gegebenenfalls nach einem Betrieb suchen, in dem Sie diese Schulungsabschnitte absolvieren können. Sind mehrere Praxisphasen gefordert, ermöglicht Ihnen das, sich bereits während der Ausbildung bei potentiellen Arbeitgebern zu empfehlen. Und vielleicht gibt es ja sogar Querverbindungen zu Ihrem alten Beruf, die Sie irgendwann nutzen können.

Lehrgangsinstitute für Umschüler raten: Bewerben Sie sich frühzeitig, denn die Kurse sind nicht jederzeit zugänglich. Regelmäßig zum Start eines neuen Kurses jedoch mehren sich auch die Anfragen der Interessenten – und die Anträge beim Amt. Wer hier rechtzeitig seinen Antrag gestellt hat, signalisiert, dass er sich langfristig mit der Umschulungsoption auseinandergesetzt hat.

Jobs für Quereinsteiger

Eine offizielle Umschulung ist die eine Option. Darüber hinaus gibt es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, sich nach einer Berufsausbildung weiter zu qualifizieren. Absolventen eines technischen oder handwerklichen Berufs (Dachdecker, Maler, Installateure, Baustoffhändler, Schornsteinfeger, Ingenieure, Anlagentechniker, …) wagen immer häufiger den Sprung zu neuen Möglichkeiten und qualifizieren sich nach einer themenspezifischen Fortbildung zum Energieberater.

Auch im aktuellen Wachstumssektor, dem Social-Media-Bereich, werden Profis gesucht. Oft bringen sie bereits Kenntnisse im PR- oder Marketingbereich mit, manchmal jedoch handelt es sich um sehr professionelle User, die vielleicht sogar über ihre Liebe zur Informatik den Zugang zum Social-Media-Bereich finden. Auch hier bieten Fernlehrgänge und Institute die Möglichkeit, fachspezifisches Know-how aufzubauen – oft sogar berufsbegleitend.

Wer seine Zukunft im Bereich der Altenpflege sieht, muss nicht etwa einen speziellen Abschluss oder Berufserfahrung vorweisen, sondern muss vor allem psychisch und körperlich den Anforderungen gewachsen sein. Gerade in der Altenpflege gibt es auch eine Vielzahl an Kurz-Ausbildungen, die zwar nicht zur Fachkraft ausbilden, aber schnell ermöglichen als Altenpflegehelfer oder Pflegeassistent in einen neu erlernten Beruf einzusteigen.

Drei Kurzberichte über den Start in ein neues berufliches Leben

Svenja hat ihren Job Hufschmiedin schweren Herzens an den Nagel gehängt. Die Ausbildung hat sie zwar mit Bravur bestanden, doch ihr Ausbilder möchte sie nicht weiter beschäftigen. Nun möchte Svenja sich im tiermedizinischen Bereich fortbilden. „Ich habe das Glück noch zuhause zu wohnen, weshalb sich die monatlichen Belastungen in Grenzen halten. Deswegen habe ich auch keine Zuschüsse beantragt, sondern jobbe im Supermarkt und habe mich für ein Fernstudium zur Tierheilpraktikerin angemeldet. Von der örtlichen Tierarztpraxis habe ich die schriftliche Zusage, dort meine Leistungen anbieten zu dürfen.“

Torsten hatte schon immer ein Faible fürs Backen und Kochen und hat folgerichtig die Ausbildung zum Bäcker gemacht. Doch dann kam die Schreckensmeldung. Der Arzt diagnostizierte ihm eine Mehlallergie. Und das bedeutet für den 28-Jährigen, dass er sich um eine Umschulung bemühen muss. „Ich habe mich für eine Umschulung zum Altenpfleger beworben. Nach der Schule habe ich dort bereits als Zivildienstleistender gearbeitet. Ich weiß, ich kann das – und weiß auch: In einem Bürojob würde ich unglücklich werden.“

Gabi ist gelernte Handschuhmacherin, doch diesen Job gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr. Der Grund: Aktuell würde eher neu gekauft, anstatt Kaputtes zu reparieren. Nun möchte Sie eine branchennahe Umschulung machen – doch diese wurde nicht genehmigt. „Ich habe mich um eine Bewerbung als Schneiderin beworben und habe ziemlich schnell und ohne Angabe von Gründen eine Absage erhalten. Ich vermute, dass das Amt dieselbe Gefahr sieht wie bei meiner ersten Ausbildung. Nun muss ich mich nach einer anderen Option umsehen. Einen sozialen Beruf – der in jedem Fall gefördert würde – traue ich mir jedoch persönlich nicht zu.“