Einstellungstest Hauptschule: Ein kleiner Streifzug

Wer auf die Hauptschule geht, muss nicht etwa einen klassischen Einstellungstest Hauptschule absolvieren. Vielmehr geht es darum, dass es sowohl rechtliche als auch in jedem Bundesland unterschiedliche Regelungen zum Besuch der Hauptschule gibt. Auch heißt diese Schulform in manchen Bundesländern ganz anders. Ein kleiner Streifzug durch die Schulsysteme in Deutschland soll dieser Beitrag sein.

Rückblick: So entstand die Hauptschule

Einst, circa gegen Ende der 60er Jahre, war die Hauptschule der allgemeinbildende Schulzweig, der aus den Volksschulen hervorging und die berufliche Qualifizierung sowie die Praxisorientierung schon während der schulischen Ausbildung in den Vordergrund rückte. Heute ist die Hauptschule die wohl umstrittenste Schulform, die es gibt. Wer auf die Hauptschule geht, kann nach der 9. Klasse den Hauptschulabschluss machen und muss – je nach individueller Schulpflicht-Regelung – auch das 10. Pflichtschuljahr dort besuchen.

Wo das Problem entsteht? An der Heterogenität der Hauptschüler, denn diese sind sowohl durchschnittlich begabt, sind manchmal sogar überdurchschnittlich begabt und werden mit Schülern unterrichtet, die an der Grenze zu einer Lernbehinderung stehen, die deutsche Sprache kaum beherrschen und auch aus verschiedenen soziokulturellen Hintergründen kommen. Um diese Herausforderungen meistern zu können, erscheint die Hauptschule als Einzelkonzept manchmal sogar ein wenig „alternativ“, denn dort gibt es Angebote wie:

  • Deutschkurse für ausländische Kinder,
  • Gewaltprävention, Streitschlichtung, Suchtberatung,
  • jahrgangsübergreifender Unterricht,
  • Projektarbeiten,
  • Sonder- und Jahrespraktika,
  • Teamteaching, Gruppenarbeiten.

Auf dem Stundenplan finden sich Fächer wie Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaft. Auch die Berufswahlvorbereitung nimmt viel Raum ein. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Arbeitsagenturen soll bei der Berufsorientierung und beim Berufseinstieg helfen. Daneben werden Grundfertigkeiten, allgemeinbildende Inhalte und Kulturtechniken vermittelt.

Einstellungstest HauptschuleDer Weg auf die Hauptschule

Wie eingangs bereits erwähnt, gibt es keinen klassischen Einstellungstest Hauptschule, denn diese Schulform ist eine Option nach dem erfolgreichen Besuch der Grundschule. Daneben gibt es die Möglichkeit die Realschule, das Gymnasium oder die Gesamtschule zu besuchen. Besonders bei Realschule und Gymnasium entscheiden jedoch die Noten darüber, ob ein Übertritt möglich ist. Ist der individuelle Förderbedarf des Kindes zu groß für die Hauptschule, bleibt noch die Sonderschule.

Auch wenn der Weg steiniger ist, als so mancher geradlinige Pfad zu höherer Bildung, so ist auch mit einem Hauptschulabschluss ein höherer Bildungsabschluss möglich. Nach dem Besuch der 10. Klasse oder einem Berufsvorbereitungsjahr wird in aller Regel eine duale Ausbildung absolviert. Wer diese besteht, kann die Fachschule besuchen. Alternativ kann auch der Weg auf die Fachoberschule führen, die es dann ermöglicht an einer Fachhochschule zu studieren.

Die Hauptschulen in Deutschland

Grundsätzlich gilt: In jedem Bundesland muss es die grundsätzliche Möglichkeit geben, einen Hauptschulabschluss zu erwerben. An welcher Schule dies geschieht, ist indes nicht vorgeschrieben.

  • Im Saarland geht die Hauptschule in der erweiterten Realschule auf.
  • In Bayern heißt die Hauptschule seit dem Schuljahr 2010/2011 „Mittelschule“. Die kleine Schwester der Hauptschule, die sogenannten Teilhauptschulen gibt es heute kaum mehr, denn die meisten Schüler drängen an die neu eingeführte, sechsstufige Realschule. Nach der 9. Klasse wird der Hauptschulabschluss oder der Qualifizierende Hauptschulabschluss erlangt. Weitere Besonderheiten sind die sogenannten P-Klassen, die stark praxisorientiert sind, und die M-Klassen, die den Abschluss mit einem mittleren Bildungsabschluss ermöglichen.
  • In Berlin wurde aus der Hauptschule, der Realschule und der Gesamtschule die Integrierte Sekundarschule, die eine Alternative zum Gymnasium ist.
  • In Bremen werden die Kinder in „Sekundarschulen“ unterrichtet.
  • In den neuen Bundesländern beispielsweise wurde die Schulform gar nicht erst initiiert.
  • In Hamburg gibt es sogenannte Stadtteilschulen, an denen der Hauptschulabschluss erworben werden kann.
  • In Hessen können die Schüler einen einfachen und einen qualifizierenden Hauptschulabschluss erwerben. Wer welchen Abschluss erhält, hängt von den Noten in der Abschlussprüfung ab. Wer noch ein weiteres Jahr die 10. Klasse besucht, kann den Realschulabschluss machen.
  • In Mecklenburg-Vorpommern heißt die entsprechende Schulform „regionale Schule“.
  • In Niedersachsen wird nach dem Ende der 9. Klasse eine Abschlussprüfung gestellt. Wer diese besteht, hat den Hauptschulabschluss und kann freiwillig noch ein weiteres Jahr die Schulbank drücken. Am Ende der 10. Klasse kann dann ein Sekundarabschluss folgen. Zur beruflichen Qualifizierung gibt es in Niedersachsen den „Betriebstag“.
  • In Nordrhein-Westfalen müssen die Schüler zehn Jahre die Schulbank drücken. Wer nach neun Schuljahren den Hauptschulabschluss hat, muss dennoch die 10. Klasse besuchen. Dort können die Schüler den mittleren Schulabschluss erlangen oder an einer berufsvorbereitenden Maßnahme teilnehmen. Darüber entscheiden letztlich die Noten.
  • In Rheinland-Pfalz gibt es neben der Hauptschule die Regionale Schule und die Duale Oberschule. Diese beiden Sonderformen sind sehr durchlässig und ermöglichen auch einen mittleren Bildungsabschluss. Seit 2010 laufen Bemühungen, Hauptschulen zu „Realschulen plus“ zu machen.
  • In Sachsen nennt sich die Schulform Mittelschule.
  • In Sachsen-Anhalt werden die Kinder in „Sekundarschulen“ unterrichtet.
  • In Schleswig-Holstein gibt es Gemeinschaftsschulen.
  • In Thüringen gibt es eine sogenannte Regelschule.

Details zu den Schulformen, den Zugangsvoraussetzungen und allen weiteren Themen rund um die Schullandschaft hält das Ministerium des jeweiligen Bundeslandes bereit. Für wen der Wechsel ansteht, kann auch auf regionalen Informationsveranstaltungen mit anderen Betroffenen sowie Sprechern der Schulen ins Gespräch kommen – so sollte letztlich die Schule gewählt werden, die weder unter- noch überfordert.

Unterschiedliche Bundesländer, unterschiedliche Sitten

Wie bereits die nach Bundesländern gegliederte Übersicht gezeigt hat, geht es wahrlich in jedem Bundesland etwas anders zu, deswegen wäre es darum und mit Blick auf die ständigen Gesetzesänderungen und Reformen auch vergleichsweise sinnlos, an dieser Stelle niederzuschreiben, wer wann auf die Hauptschule kommt bzw. in der Schule eingeschult wird, auf der er/sie den Hauptschulabschluss erreichen kann.

Unabhängig vom Namen und vom Konstrukt, bleibt doch die Tendenz bestehen, dass den Hauptschulabschluss diejenigen machen, die mit schulischer Bildung am wenigsten am Hut haben. Das muss nicht bedeuten, dass sie dümmer oder fauler sind oder in der Praxis nicht erfolgreich sein können, sondern einfach wenig mit theoretischer Bildung anfangen können.

Die besten Möglichkeiten, in einzelnen Fächern oder Themen sich zu spezialisieren haben die Jugendlichen dann in zusammengefassten Schulsystemen, denn wenn ein Schüler, der eigentlich den Hauptschulabschluss anstrebt, besonders gut in Englisch ist, könnte dieser den Englischkurs der „Realschüler“ besuchen. So wird den Schülern am besten dabei geholfen, ihre Stärken zu fördern, ohne die Schwächen dabei unter den Tisch fallen zu lassen.