Einstellungstest Assessment Center: Die theoretische Beleuchtung

Das Assessment Center war früher fast schon für die „Elite“ reserviert. Das heißt, wer Führungskraft werden wollte, musste erst die schweren Prüfungen im Einstellungstest Assessment Center bewerkstelligen, bevor er eine Chance auf ein Gespräch mit dem potentiellen neuen Arbeitgeber bekam. Heute werden Bewerber zunehmend häufiger ins Assessment Center geladen, da es eine gern genutzte Möglichkeit der Unternehmen ist, möglichst viele Bewerber auf einmal zu sehen und sogar miteinander interagieren zu lassen. Ziel dieses Beitrags soll sein, das Schreckgespenst „Assessment Center“ theoretisch zu beleuchten und erfolgreiche Absolventen mit ihren persönlichen Erfahrungen zu Wort kommen zu lassen.

1.) Zunächst einmal zur Definition. Unter Assessment Center versteht man ein groß angelegtes Auswahlverfahren, das über mehrere Tage gehen kann und ganz verschiedene Aufgaben umfasst.

Einstellungstest Assessment Center„Ich war bei einem großen deutschen Versicherungsunternehmen im Assessment-Center und war zunächst einmal reichlich überrascht, dass bereits die Azubis in dieser Form ausgewählt wurden. Als ich das Wort ‚Assessment Center‘ in der Einladung las, bekam ich richtig Panik. Zwei Tage waren angesetzt. Übernachtungen werden all denjenigen ermöglicht, die den ersten Tag bestehen. Das war doch sehr heftig. Als ich dort ankam sah ich massig viele Leute und verstand plötzlich, dass das Assessment Center hier dazu dient, die Auswahl zu minimieren.“

2.) Wer die Einladung zum Assessment Center bekommt, sollte sich gut überlegen, wer er selbst ist und wer er sein müsste, um die gewünschte Stelle zu bekommen. Anschließend muss rein theoretisch aus beidem die Schnittmenge gebildet werden. Es ist verkehrt, sich zu verstellen, um ins Bild zu passen, aber es ist wichtig, um den Job zu bekommen.

„Den Tipp ‚sei du selbst‘ wollte ich so weit wie möglich verdrängen, denn eigentlich bin ich ein zurückhaltender Mensch, der nicht gerne im Mittelpunkt steht, sondern lieber in Ruhe seine Arbeit macht. Dass ich damit beim Assessment Center nicht bestehen würde, war mir klar, also versuchte ich zwar nicht zum extrovertierten Draufgänger zu werden, aber ich übte, mich einzubringen. Interessanterweise tat mir das auch im Privaten echt gut, denn ich kam mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt. Im Assessment Center selbst muss meine unaufdringliche aber doch aktive Art gefallen haben, denn nun bin ich Informatiker in einem großen Betrieb“

3.) Im Assessment Center sind sowohl mündliche als auch schriftliche Aufgaben zu bewerkstelligen. Zu den mündlichen Prüfungsformen gehören die Vorstellungsrunde, die Präsentation, Gruppendiskussionen, Rollenspiele sowie Vorträge, Präsentationen und Interviews. Natürlich wählt ein Unternehmen immer nur ein bis zwei Aufgaben aus, doch meist stehen diese vorher nicht fest.

„Wer als Young Professional einsteigen will, muss das Assessment Center durchlaufen. Soweit war mir das klar, aber als bereits nach der Vorstellungsrunde einige Kandidaten verabschiedet wurden, wurde deutlich, das hier jedes Augenzwinkern und jede Kopfstellung zum K.O.-Kriterium werden kann. Gut, dass ich die erste Runde überlebt habe. Anschließend war ich mir der Aufgabe bewusst, ständig präsent zu sein. Ich empfand von allen Aufgaben das Rollenspiel am schwierigsten, weil es für mich sehr schwierig war, ausgerechnet die Position zu vertreten, dich ich persönlich gar nicht hatte. Offensichtlich bin ich ein schlechter Schauspieler, aber das war ja nun auch nicht mein Berufswunsch. Die Präsentation und auch das Interview gelang mir dann wieder besser, denn dabei konnte ich mein Fachwissen zeigen und mich annähernd so geben, wie ich wirklich bin.“

4.) Onlinetests, Persönlichkeitstests, Intelligenztests und Übungen wie die Postkorbübungen sind die klassischen schriftlichen Aufgaben im Assessment Center. Wie bei den mündlichen Aufgaben gilt auch hier, dass die Bewerber gern seitens der Unternehmen in Stress versetzt werden, um zu sehen, wie sich dieser auf die Person und deren Leistungsfähigkeit auswirkt. Deswegen sind diese Prüfungen auch zeitlich so angelegt, dass sie eigentlich nicht zu schaffen sind.

„Ich wage zu behaupten, dass ich wirklich gut vorbereitet war auf den schriftlichen Test, denn ich habe alle Einstellungstests, die ich erwerben konnte hoch und runter geübt bis ich sie aus dem Effeff gekonnt habe. Fehler habe ich, glaube ich, keine gemacht, aber ich habe nicht alle Aufgaben geschafft. Die Zeit war einfach zu kurz. Ich weiß, das war Absicht und ich konnte sogar live miterleben, wie die Idee des Betriebs aufgegangen ist. Ein Mitbewerber ist wütend aufgestanden, hat den Stift in die Ecke gepfeffert, ist zum Prüfer und hat ihm die Unterlagen mit diesen Worten auf den Tisch geknallt: ‚Versuchen Sie doch mal selber, diese schwachsinnigen Aufgaben in der vorgegeben Zeit zu beantworten. Das ist doch idiotisch.‘ Das hat mir gezeigt: Ruhig bleiben und Schritt für Schritt die Aufgaben abarbeiten ist zielführender, als in Hektik und Panik zu verfallen.“

5.) Unabhängig davon, welche Testvarianten ein Unternehmen auswählt, geht es doch meist um diese drei Punkte: Persönlichkeit, Leistungsmotivation und Kompetenz. Und das heißt im Detail:

  • Stichwort Persönlichkeit. Der Betrieb möchte wissen, ob Sie sympathisch sind und bereit sind, sich in einem neuen Betrieb anzupassen. Auch ist wichtig für das Unternehmen herauszufinden, ob Sie zum Team passen.
  • Stichwort Leistungsmotivation. Natürlich wird ein Unternehmen versuchen, das Maximale aus Ihnen herauszuholen. Das ist auch verständlich in Anbetracht der immer knapper werdenden Personaldecke in Betrieben. Deswegen wird der Betrieb versuchen herauszufinden, ob Sie engagiert und aktiv sind, Sie lernbereit und arbeitswillig sind und sich auch mit den Aufgaben und Werten des Unternehmens identifizieren können.
  • Stichwort Kompetenz. Natürlich kennt der Personalreferent oder Abteilungsleiter Sie schon aus dem Bewerbungsschreiben und natürlich weiß er, welche Kompetenzen Sie rein theoretisch haben müssten, doch ist das auch in der Praxis so? Das ist die Frage, die sich der Betrieb stellt und das verbirgt sich hinter den Aufgabenstellungen, die Ihre Kompetenz testen sollen.

„Ich persönlich fand es super, dass sie uns beim Assessment Center zu einem Praxistest geschickt haben. Wir sollten dazu etwas am Computer ausarbeiten und dann mit der praktischen Umsetzung beginnen. Dabei fühlte ich mich ehrlich gesagt wohler, als bei diesen abstrakten Dingen wie der Gruppendiskussion und dem Rollenspiel. Allerdings ging es auch nicht allen so. Viele fielen aus allen Wolken, als es zum Praxistest ging. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass die Arbeitsproben, die wir bereits im Vorfeld einreichen sollten, nicht unbedingt von den Bewerbern selbst angefertigt wurden.“