Einstellungstest Nautik: So sichern Sie sich den Zugang!

Wen es beruflich aufs Meer treibt, der gehört sicherlich zu einer vergleichsweise seltenen Spezies, denn die Ausbildungs- und auch Arbeitsplätze sind regional und auch zahlenmäßig stark begrenzt. Dennoch sind die Ausbildungen in dieser Branche nicht weniger interessant, sondern inhaltlich sogar besonders spannend. Während die wohl klassischste Ausbildung die zum/zur nautischen Offiziersassistent/-in ist, gibt es gleich eine ganze Reihe an Weiterbildungsberufen, ein Studium und zahlreiche Berufe, die über verschiedene Wege ergriffen werden können. Wer sich für eine Karriere auf See interessiert, muss bereits im Vorfeld prüfen, ob er dafür gemacht ist. Welche Optionen es gibt und worauf es dabei ankommt, soll dieser Beitrag klären.

Die schulische Ausbildung zum/zur nautische/-n Offiziersassistenten/-in

Eine der wohl gängigsten Einstiegsqualifikationen auf hoher See ist die Ausbildung zum/zur nautische/-n Offiziersassistenten/-in. Die Ausbildung ist deutschlandweit einheitlich geregelt und dauert zwölf Monate. Der Fokus der Ausbildung liegt auf dem Erwerb der Schiffsführerlizenz, dem Erwerb von Fachkenntnissen zum Ladungsumschlag und der Ausbildung von Fähigkeiten zur Kontrolle des Schiffsbetriebs. Doch auch die Themen Arbeitsrecht, Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Brandabwehr, Rettung, Verwaltung sowie Wach- und Brückendienst stehen auf dem Stundenplan, den die Bundesregierung und explizit auch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung festgelegt und hier veröffentlicht hat.

Spannend sind vor allem die Zugangsvoraussetzungen. Wer nautische/-r Offiziersassistent/-in werden möchte, muss die Fachhochschulreife (oder alternativ die Hochschulreife) mitbringen oder eine abgeschlossene Ausbildung zum/zur schiffsbetriebstechnischen Assistenten/-in absolviert haben und seetauglich sein.

Einstellungstest Nautik

Im Bundesrecht festgeschrieben sind darüber hinaus folgende Voraussetzungen:

  • Der Nachweis der Identität.
  • Ein Mindestalter von 18 Jahren, um ein Befähigungszeugnis zu erhalten. [Diese Altersgrenze ist für die Wachbefähigung Brücke, Maschine, Sicherheit an Bord, Gefahrenabwehr und Sonderschiffe auf 16 Jahre heruntergesetzt. Kapitäne müssen mindestens 20 Jahre alt sein.]
  • Eine fachliche Eignung, die im Rahmen einer Berufseingangsprüfung oder vergleichbaren Lehrgängen nachgewiesen werden muss.
  • Die persönliche Eignung, die durch den Befähigungsnachweis oder den Nachweis der Seediensttauglichkeit gegeben ist.
  • Eine praktische Ausbildung auf See.
  • Eine abgeschlossene Sicherheitsgrundausbildung.

Eine Alternative zu dieser Ausbildung ist die zum/zur technischen Offiziersassistenten/-in mit Schwerpunkt Schiff oder alternativ die Ausbildung zum/zur Binnenschifferin. Wer als nautische/-r Offiziersassistent/-in die Karriereleiter erklimmen möchte, kann Nautik studieren, um so zum/zur nautischen Schiffsoffizier/-in zu werden. Der erste Posten ist dann der des/der nautischen Wachoffizier/-in NWO. Anschließend folgt der Aufstieg zum/zur ersten Offizier/-in und anschließend zum/zur Kapitän/-in NK.

Weiterbildungsoptionen im Bereich der Nautik

Wer den eingangs bereits beschriebenen Weg eingeschlagen hat und die Ausbildung zum/zur nautischen Offiziersassistent/-in absolviert hat, kann eine Weiterbildung zum/zur nautischen Schiffsoffizier/-in oder zum/zur Kapitän/-in absolvieren. Dabei ist sogar eine inhaltliche Schwerpunktsetzung möglich.

  • Der Fachbereich „Große Hochseefischerei“. Wer sich im Bereich der Großen Hochseefischerei spezialisiert, findet später in aller Regel Anstellung bei Fischfangbetrieben in der Meeresfischerei. Ein/-e nautische/-r Schiffsoffizier unterstützt den/die Kapitän/-in bei der Schiffsführung. Auch werden sie mit der Planung, Führung und Überwachung im nautischen Dienst betraut. Die Weiterbildung zum/zur nautischen Schiffsoffizier/-in oder Kapitän/-in dauert hingegen zwei Jahre und endet mit der Auszeichnung als „nautische/-r Wachoffizier BGW“. Nach 24 Monaten auf See kann das Folgezertifikat (zum/zur Kapitän/-in oder zum/zur Ersten Offizier/-in) erworben werden.
  • Der Fachbereich „Kleine Hochseefischerei“. Der Unterschied zur großen Hochseefischerei liegt darin, dass hierbei nicht in erster Linie auf dem Meer gefischt wird. Die Weiterbildungsoptionen sind indes dieselben.

Was müssen Nautik-Fans im Gepäck haben?

Nein, diesmal ist nicht der Koffer gemeint, den sie packen müssen, wenn sie auf See fahren, sondern vielmehr das Paket an Eignungen, das jeder haben sollte, der auf hoher See arbeiten möchte. Und dazu zählen:

  • Flexibilität, denn wer auf hoher See arbeitet, hat keinen Job, der morgens um acht Uhr beginnt und um 17 Uhr endet, sondern lebt und arbeitet am selben Ort.
  • Anpassungsfähigkeit, denn auf See herrschen andere Rahmenbedingungen, an die sich ein Jeder erst einmal gewöhnen muss.
  • Anspruchslosigkeit, denn eine Schiffskajüte ist nicht mit einem Einfamilienhaus oder einer schicken Eigentumswohnung zu vergleichen.
  • Mobilität, denn der Job bringt lange Reisen mit sich. Wer indes schnell unter Heimweh leidet, wird mit einem Beruf auf See sicherlich nicht glücklich.
  • Fitness, denn für einen Beruf auf See ist mentale und physische Fitness wichtig, um die verantwortungsvolle und dabei auch körperlich anstrengende Arbeit erledigen zu können.

Reinspitzeln: Was steht beim Einstellungstest auf dem Programm?

Wie bereits angesprochen, müssen Sie körperlich und auch geistig auf Zack sein. Das werden Sie auch beim Einstellungstest merken, denn dabei wird Ihr Erinnerungsvermögen getestet. Achten Sie beim Test auf jedes Detail, denn genau diese werden im Anschluss Gegenstand der Fragen sein. Typische Aufgaben, um Ihr Erinnerungsvermögen zu testen sind:

  • Das Einprägen von Steckbriefen, Personendateien oder Fotos mit vielen Details.
  • Das Einprägen von Zahlen- und Wortgruppen sowie von Figuren.
  • Das Einprägen von Vorgelesenem (Geschichten, Zahlen, Wörtern).
  • Das Einprägen von praxisbezogenen Inhalten: Dispositionslisten, Kundendateien etc.

Schwieriger sind hingegen die Aufgaben, die Sie auf Ihr Konzentrationsvermögen hin testen, denn es gilt besondere Rechenaufgaben zu lösen und Berechnungen und Zahlenfolgen aus vorgegebenen Organisationsstrukturen abzuleiten. Folgenden Aufgabenstellungen sind dabei typisch:

  • Das Einprägen von Codelisten bei denen ein Code jeweils für ein Wort steht.
  • Das Lösen von Rechenaufgaben in zwei Teilschritten.
  • Der ABC-Aktenschrank-Test bei dem zu jeder Zahl eine Buchstabenkombination (z.B. 1 = Aa – Az) gelernt werden muss, in die anschließend Nachnamen einsortiert werden.
  • Das akribisch genaue Prüfen von Adresszeilen.
  • Das Auffinden von Fehlern in Buchstaben- und Zahlenreihen.

Anschließend wird’s kreativ, denn auch Kenntnisse der Betriebswirtschaft und des Marketings sind wichtig für die Arbeit in einer Reederei. Kreatives Denken wird mit dem Texten von Slogans, dem Zusammenfügen von Buchstabenreihen und dem Erkennen von Fehlern trainiert. Die Aufgabenstellungen könnten dabei so lauten:

  • Bilden Sie logische Folgen zur Hypothese: Was wäre, wenn ab morgen keine Autos mehr fahren dürften? Zu formulieren sind dann drei mögliche Folgen aus dieser Option.
  • Kreieren Sie aus den Formen Kreis und Quadrat möglichst viele Bildkombinationen, die Sie anschließend interpretieren.

In einem weiteren Fragenkomplex steht Ihr logisches Denkvermögen auf dem Prüfstand, das anhand von Zahlen- und auch Buchstabenreihen geprüft wird. Möglich sind dabei Aufgaben wie

  • die Fortführung von einer gewissen Logik folgenden Zahlen- oder Buchstabenreihen,
  • das Kreieren von Worten aus Buchstabensalat,
  • die Klassifizierung von Aussagen in „Meinung“ oder „Tatsache“
  • oder die Beantwortung von Fragen mit einem „stimmt“ oder „stimmt nicht“.

Auch die Umrechnung von mathematischen Einheiten, Zinsrechnungen, Textaufgaben und das Erkennen der Bedeutung einzelner Worte werden im Rahmen des Einstellungstestes ebenso geprüft wie das Orientierungsvermögen durch das Lesen von Kartenmaterial.